Was ist eigentlich Beschnitt und wie kommt der in die PDF?

Beschnitt, Anschnitt, Bleed, Überformat…

Jeder, der schon mal Druckdaten an eine Druckerei gesendet hat, musste sich mit dem Begriff auseinandersetzen.

Auch wir sagen unseren Kunden immer: Bitte denken Sie an die 3mm Beschnitt, auch Anschnitt genannt, rundherum.
Häufig kommt als Antwort: Was ist denn bitteschön Beschnitt?

Heute werde ich versuchen, das Ganze mal möglichst kurz und verständlich zu erklären. Die Grundvorstellung der meisten Kunden ist, dass wir ein A4 Dokument auf einen größeren Bogen drucken und dann entlang der Schneidmarken zuschneiden. Basta! Das ist natürlich grundsätzlich absolut richtig allerdings mit einigen Einschränkungen. Nehmen wir an, wir legen ein A4 Dokument genau auf 210 x 297 mm an, ohne Beschnitt, dann würde das theoretisch so aussehen:

Magenta: Papier
Gelb: Hier schneiden wir
Blau: Das Druckbild

Wenn wir jetzt genau entlang der Marken schneiden würden wäre alles Perfekt…ja wenn. Das Problem an der Sache ist, dass der Druckprozess gewissen physikalischen Gesetzen folgt und dadurch folgendes passiert: Das Papier wird unter Einfluss von Druck und Hitze durch die Druckmaschine geführt und bedruckt. Hierbei kommt es zu leichten Unterschieden in der Papierführung.

Das heißt, kein Bogen läuft 100 prozentig gerade durch die Druckmaschine und alle Bogen unterscheiden sich geringfügig voneinander. Würde man nun den Bogen so drucken wie oben gezeigt und legt man am Ende alle gedruckten Bogen übereinander in die Schneidmaschine, dann passiert folgendes: Aufgrund der oben beschriebenen physischen Einflüsse würde sich unser Druckbild nicht exakt dort befinden wo wir schneiden.
Unser zugeschnittener Bogen sieht dann so aus (übertrieben dargestellt):

Wie ihr sehen könnt, würde wir an den Kanten teilweise das Papierweiss anstatt unserem Druckbild sehen.
Nicht gut!

Nun hat man 2 Möglichkeiten, entweder man schneidet den Bogen etwas kleiner (gar nicht gut!)
oder man legt schon vorher die Datei mit Beschnitt an. (viel besser!)

Wenn man nun ein A4 Format (210 x 297 mm ) mit Beschnitt anlegen möchte, dann muss man nicht anderes machen, als die Datei im Layoutprogramm seiner Wahl auf allen Seiten jeweils um 3mm größer anzulegen. Bei InDesign könnt ihr aber auch direkt im Programm Beschnitt bzw. Bleed angeben. Achtet jedoch darauf den Beschnitt auch beim PDF-Export auszugeben.  Sofern euer Programm diese Funktion nicht bietet legt das Dokument bei A4 im Format inkl. Beschnitt von 216 x 303 mm an.
Das sieht dann so aus

Durch das etwas größere Druckbild haben wir uns nun mehr Spielraum für Drucktoleranzen geschaffen und unser A4 sieht am Ende so aus wie es sein soll.

 

Wie ihr seht eigentlich gar nicht soo schwer. Denkt daran wenn ihr eure nächste Datei anlegt und ihr spart euch viel Zeit und Ärger und erhaltet ein professionelles Druckerzeugnis.

 

  1. Antworten

    Danke, nun hab ich auch mal verstanden warum Druckereien so viel wert darauf legen und wie ich das ganze gestalten muss. Weiter so!

      • Oskar am 20/09/2015 um 15:13

      Antworten

      Da hab ich mal ne Frage,

      eine Druckforlage mit Beschnitt würde dann aber doch heißen,
      das das Bild 2 keinen Magnetaanteil mehr aufweist, aber der Dokumenteninhalt ist trotzdem leicht nach links verdreht.
      Will ich nun z.B. 4 dieser Dokumente zu einem Gesamtdokument(-Bild) zusammenkleben, habe ich unschöne Effekte.

      Vollpfosten oder richtig erkannt und anderes Verfahren wählen?

        • Oskar am 20/09/2015 um 15:14

        Antworten

        Natürlich Druckvorlage 🙂

        1. Antworten

          Hallo Oskar,

          natürlich ist die Darstellung übertrieben um es besser sichtbar zu machen.
          Sollten von der Druckerei solche Ergebnisse kommen (1-2 Grad gedrehtes Druckbild) ist etwas schief gelaufen.
          In der Realität ist der Effekt weniger stark ausgeprägt. Trotzdem kann natürlich das Papierweiß sichtbar werden wenn kein Beschnitt angelegt wurde.

    • fl1tz am 07/11/2013 um 20:03

    Antworten

    Vielen Dank, sehr aufschlussreich. DIN A4 mit Beschnitt wäre nach Adam Ries aber wohl 216 x 303 mm (+ nicht 303 x 297m) 😉 Das könnte einen blutigen Anfänger sicher schon verfwirren.

    1. Antworten

      Danke für den Hinweis, da hatte sich doch glatt der Fehlerteufel eingeschlichen. Richtig ist natürlich 216 x 303 mm.

      Gruß

      Daniel

    • 1+1=2 am 18/07/2014 um 10:12

    Antworten

    Ein sehr anschaulicher Artikel. Hervorragend!

    Leider wurde der Rechenfehler immer noch nicht korrigiert.
    Richtig ist: 216 x 303 mm
    Im Artikel steht: 303 x 297 mm

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